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Ideen im Team umsetzen – was dabei von Bedeutung ist

Die gemeinsame Arbeit an neuen Ideen eröffnet neue Chancen. Gegenüber der Entwicklungsarbeit als Einzelkämpfer liefert Teamwork die geballte Energie gemeinsamer intellektueller und kreativer Geisteskraft zur erfolgreichen Umsetzung innovativer Konzepte – wenn das Team effektiv und ohne Reibungsverluste funktioniert. Doch gerade dabei liegt in vielen Fällen einiges im Argen, denn die Teambildung erfordert erheblich mehr als das reine Ansammeln fachlicher und intellektueller Kompetenz. Worauf Sie bei der Bildung Ihres Entwicklungs– und Innovationsteams achten sollten, lesen Sie hier.

 

Team – was ist das eigentlich?

Die Frage erscheint zunächst überflüssig. Jeder weiß, was ein Team ist – oder glaubt zumindest, es zu wissen. Die individuelle Deutungshoheit über den Begriff hängt in erheblichem Maße auch von der persönlichen Einstellung zur Teamarbeit ab.

Menschen, die am liebsten als einsamer Rufer in der Wüste unterwegs sind und in der Überzeugung handeln, dass jeder Mitarbeiter vor allem eine potentielle Fehlerquelle darstellt, werden auf Teams einen eher skeptischen Blick werfen, etwa in der der Art des TEAM-Akronyms “Take Everything And Mute”, zu Deutsch am treffendsten so übersetzt: Nimm alles und schweige darüber.

Dass dieser Generalverdacht gegenüber Teamarbeit nicht den wahren Verhältnissen entspricht, werden all jene bestätigen können, die in einem gut funktionierenden Team Ergebnisse erzielen konnten, wie sie alleine nicht erreichbar gewesen wären. Das bringt uns zurück zur Ausgangsfrage: Was ist ein Team?

Eine von mehreren allgemein gültigen Definitionen könnte lauten: Ein Team ist eine Gruppe von Menschen mit spezieller Fachkompetenz und der gemeinsamen Absicht, ein zuvor definiertes Ziel unter Anwendung kollektiven Wissens auf bestmögliche Weise umzusetzen. Oder vereinfacht ausgedrückt: Gemeinsam geht’s besser.

Damit ist ausgedrückt, was den systemischen Vorteil von Teams gegenüber Einzelarbeit ausmacht: die Nutzung unterschiedlicher, für das gemeinsame Ziel nützlicher Fähigkeiten. Das ist ein bestechendes Konzept – mit einem Haken: Teamplayer sind Menschen, und Menschen haben Eigenheiten und Fehler. Ein Team, dass diese unumstößliche Wahrheit nicht angemessen berücksichtigt, hat schlechte Karten.

Dass es in vielen Teams hakt und knirscht, lässt sich im Wesentlichen auf diese drei Ursachen zurückführen:

  • Das Team hat keine fest umrissene Zielsetzung.
  • Das Team hat keine effektive Kommunikationsstruktur.
  • Im Team gibt es keine konkreten Rollenzuweisungen.

In den meisten Fällen treten mehrere dieser Ursachen gleichzeitig auf, denn jede einzelne ist ein Indiz dafür, dass es Defizite beim grundsätzlichen Verständnis sinnvoller Teamarbeit gibt. Mit anderen Worten: Ein Fehler kommt selten alleine.

 

Ursachen für Teamkonflikte

Aus der Sicht der Systemtheorie ist ein Team eine Einheit, das sich aus mehreren Untereinheiten zusammensetzt. Es besteht also aus den Teammitgliedern als Einheiten, die gemeinsam das System Team bilden.

Doch auch jedes Teammitglied ist ein vollständiges System – Mensch genannt. Menschen sind keine homogenen Entitäten, sondern bestehen aus einer Unzahl einzelner Faktoren – Geschlecht, Alter, Bildung, Neigungen, Stärken, Schwächen, Eigenarten, Prägungen, Vorurteile – um nur einige zu nennen. Daneben gibt es Kurzzeitfaktoren, die sich ständig ändern – die Tagesform, der Gesundheitszustand und die Stimmung beispielsweise.

Das System Mensch innerhalb des Systems Team hat natürlich Auswirkungen auf das Ganze. Ein Teammitglied, das morgens mit strahlend guter Laune und sprühend vor Energie auftaucht, kann das ganze Team mitreißen – ebenso, wie ein deprimierter, mürrisch dreinblickender und lustlos umherschlurfender Akteur den Teamgeist nachhaltig beschädigen kann.

Ebenfalls negativ, wenn auch nicht mit derartig krassen Auswirkungen, können sich Defizite bei der Teamorganisation auswirken. Fehlen Planungsunterlagen, exakte Aufgabenstellungen, genau definierte Zielvorgaben oder effektive Kommunikationskanäle, kann das die Teamarbeit nachhaltig behindern. Ob daraus existenzielle Probleme werden, hängt davon ab, welche Teamkultur vorherrscht. Hängt der Teamsegen ohnehin schief, werden solche funktionelle Defizite dazu führen, die Stimmung noch weiter in Richtung Keller absacken zu lassen. Ist das Team gut eingestellt und motiviert, wird es sich unverzüglich daran machen, die funktionellen Probleme am Schopf zu packen und rasch für Abhilfe zu sorgen.

 

Strategien für effektive Teamkultur

Das Schlüsselwort für effektive Teamstrukturen lautet: Führung. Und damit ist eine unangenehme Wahrheit artikuliert: Basisdemokratisch organisierte Teams funktionieren meist nicht gut.

Natürlich lassen sich anstehende Fragen im Rahmen von Diskussionen und Abstimmungen klären. Das führt allerdings nicht immer zur besten Lösung. Gerade in Teams muss eine Instanz existieren, die in bestimmten Situationen die Richtung vorgibt, wenn sich das Team nicht in endlosen Auseinandersetzungen bis hin zu verbissenen Richtungskämpfen verlieren soll.

Das bedeutet natürlich nicht, dass ein Team nur unter der Knute eines unbeugsamen Diktators effektiv tätig sein kann. Um den optimalen Stil für eine zielführende Teamarbeit ausfindig zu machen, lohnt ein näherer Blick auf die Definition der Führungsstile laut Kurt Lewin, einem Pionier der modernen experimentellen Sozialpsychologie. Lewin definiert drei Führungsstile:

  • Autoritäre Führung
  • Demokratische Führung
  • Laissez-faire-Führung

Keine der drei Führungsstile ist mit der vorhin vorgestellten basisdemokratischen Teamstruktur vergleichbar, denn diese setzt auf die ausdrückliche Abwesenheit einer führenden Instanz – mit allen negativen Auswirkungen.

Die autoritäre Führung setzt auf eine Führungsperson mit hoher Richtlinienkompetenz und großen Machtbefugnissen. Der Teamleiter ist Vorgesetzter, der Anweisungen, Anordnungen und Aufgaben weitergibt, ohne das Team in die Entscheidungsfindung zu integrieren. Die Hauptaufgabe der Teammitglieder ist es, die Anweisungen kritiklos umzusetzen. Fehler ziehen disziplinarische Maßnahmen bis hin zu Bestrafungen nach sich. Dass sich unter diesem Führungsstil die Eigenmotivation der Teammitglieder nicht besonders gut entwickeln kann, versteht sich von selbst. Angesichts der Tatsache, dass sich ein Team zur Entwicklung innovativer Ideen auf die Kompetenz und Kreativität aller Mitglieder stützt, übt die autoritäre Führung einen eher kontraproduktiven Einfluss aus.

Der demokratische Führungsstil setzt auf Kooperation. Der Teamleiter bezieht aller Mitglieder in die aktuellen Abläufe, Diskussionen und Entscheidungsfindungen mit ein, hat aber in Fällen von Meinungsvielfalt das letzte Wort. Dass sich dadurch Abläufe teilweise verlangsamen und komplizierter gestalten, wird durch die Vorteile der hohen Motivation, des meist angenehmen Arbeitsklimas und der verlustfreien Umsetzung von Schwarmintelligenz aller Teammitglieder mehr als ausgeglichen.

Der Führungsstil, der dem führungslosen basisdemokratischen Ansatz am nächsten kommt, ist die Laissez-faire-Führung. Rein formal gesehen gibt es einen Teamleiter, doch tritt er funktional kaum in Erscheinung. Laissez-faire-Führung ist in der Regel nicht die Folge einer bewussten Entscheidung. Sie tritt auf, wenn der eingesetzte Teamleiter seinen Aufgaben nicht gerecht wird oder mangelndes Interesse zeigt. Zwar kann auch unter diesem Führungsstil ein hoher Grad an Motivation entstehen, doch verpufft dieser Effekt vielfach angesichts fehlender funktionaler und organisatorisches Strukturen, weshalb sich Teams unter diesem Führungsstil oftmals ohne konkretes Ergebnis auflösen.

 

Fazit

Teams, die sich mit der Entwicklung kreativer Ideen hin zu verwertbaren Anwendungen befassen, müssen über die rein funktionalen Aufgabenstellungen hinaus auf die soziopsychologischen Aspekte von Teamstrukturen Rücksicht nehmen. Menschliche Interaktionen spielen bei der Arbeitsfähigkeit und Effektivität kreativer Teams eine entscheidende Rolle. Auch die Wahl des richtigen Führungsstils mit der Betonung auf einen demokratisch-kooperativen Ansatz sind für harmonisch und verlustfrei arbeitende Teams von grundsätzlicher Bedeutung.