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Fehlurteile der Geschichte – prominente Erfindungen und ihre Zweifler

Zweifeln Sie manchmal an Ihrer Idee? Bekommen Sie Dinge zu hören wie „Wozu soll das denn gut sein“ oder „Das wird sich nie durchsetzen“? Lassen Sie sich davon nicht abhalten, Ihre Entwicklung weiter zu verfolgen. Richtig ist: Es gibt Erfindungen, die sich tatsächlich nicht durchsetzten. Doch die Geschichte ist auch voll von Fehlurteilen durchaus fachkundiger Zeitgenossen über Erfindungen, die später internationale Erfolge wurden.

 

Edison's Glühbirne wurde zunächst unterschätzt

So illuminierte Thomas Alva Edison auf der Weltausstellung in Paris 1878 erstmals die Avenue de l'Opera und den Place de l'Opera mit elektrischem Licht. Doch was sagte Oxford-Professor Erasmus Wilson dazu? „Wenn die Pariser Weltausstellung vorbei ist, wird das elektrische Licht ausgehen und wir werden nie mehr davon hören”. Und als Edison Ende 1879 seine Variante der Glühbirne in den USA zum Patent anmeldete, musste er in der Zeitung lesen: „Jeder, der damit vertraut ist, wird erkennen, dass die Glühbirne von Herrn Edison ein deutlicher Fehlschlag ist“ – ausgerechnet von Henry Morton, selbst Wissenschaftler und damals Präsident des Stevens Institute of Technology, einer der ältesten technischen Universitäten der USA. Doch es war gerade Edisons Version, die eine Serienfertigung und den Einsatz von elektrischem Licht im Alltag ermöglichte – nachdem sich zuvor schon viele daran versucht hatten.

 

Das Automobil - ein Erfolg mit vielen Vorvätern

Auch die Erfindung des Automobils wurde keineswegs von allen sofort als Erfolg anerkannt. So riet der Präsident der Michigan Savings Bank 1903 dem Anwalt von Henry Ford davon ab, in Fords Automobilunternehmen zu investieren: „Das Pferd wird es immer geben. Autos sind nur eine vorübergehende Modeerscheinung.“ Ein ähnliches Zitat wird auch Kaiser Wilhelm II zugeschrieben, was vermutlich aber nicht stimmt. Dass selbst Autopioniere sich nicht vorstellen konnten, was daraus einmal werden würde, zeigt der von Gottlieb Daimler überlieferte Ausspruch von 1901, die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen werde eine Million nicht überschreiten – „allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren.“

Die Geschichte des Automobils wäre natürlich nie möglich gewesen ohne die Erfindung des Rades zuvor. Und hier zeigt sich, dass eine Idee auch das richtige Umfeld braucht, um zum Erfolg zu werden. Das Rad soll schon bei alten amerikanischen Völkern wie den Mayas und den Azteken bekannt gewesen sein, doch sie nutzten es nicht als Transportmittel. Vermutlich lag dies daran, dass es keine geeigneten Zugtiere gab. Und der persisch-arabisch-berberische Kulturraum soll den Warentransport auf Rädern sogar wieder aufgegeben haben. Denn für den Transport mit dem Kamel war es nicht notwendig, Straßen zu unterhalten.

Das Auto wäre natürlich auch nichts geworden ohne den Verbrennungsmotor. Noch 1806 urteilte die russische Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg: „Das Erdöl ist eine nutzlose Absonderung der Erde – eine klebrige Flüssigkeit, die stinkt und in keiner Weise verwendet werden kann.“ Produkte daraus wurden meist zur Beleuchtung verwendet – der kanadische Arzt und Geologe Abraham Gesner meldete 1855 ein Patent an, das als Beginn der Erdölverarbeitung gilt.

 

Fliegen – unmöglich?

Auch gegenüber dem Flugzeug waren viele gelehrte Zeitgenossen skeptisch. William Thompson, der ersten Baron Kelvin und selbst Physiker, hielt Flugmaschinen, die schwerer als Luft sind, nicht für möglich. Er habe nicht den kleinsten Glauben „an eine andere Art von Luftfahrt als die mit dem Ballon“, wird er zitiert. Derselben Ansicht war der kanadisch-amerikanische Mathematiker Simon Newcomb: „Mit Maschinen durch die Luft zu fliegen, ist absolut unmöglich“. Sie mussten sich von den Brüdern Wilbur und Orville Wright eines Besseren belehren lassen. Diese ließen sich von den angesehenen Wissenschaftlern nicht irre machen und meldeten ihre Flugmaschine 1903 zum Patent an. Der Rest ist Geschichte.

 

Sprechende Schauspieler unerwünscht?

Auch die moderne Unterhaltungsindustrie kennt solche Fehlurteile. Der erfolgreiche Regisseur D.W. Griffith, der gemeinsam mit Charlie Chaplin und anderen United Artists gründete, veröffentlichte 1924 einen Artikel, in dem er eine Vision von der Filmkunst in 100 Jahren entwarf. Sprechende Schauspieler gehörten nicht dazu. Und Harry Warner war zwar durchaus aufgeschlossen gegenüber Musik vom Band statt einem Liveorchester. Dies würde den Kinos viel Geld sparen. Aber „wer will schon Schauspieler sprechen hören“, soll er gesagt haben. Die Warner Brothers ließen es darauf ankommen und investierten in die neue Technologie – sie präsentierten einen Film über einen Jazzsänger, den man dann auch singen hört. Und Griffith drehte später selbst Tonfilme.

Die Entwicklung des Tonfilms ist von vielen technischen Entwicklungsstufen geprägt. Zu den Pionieren gehörten der Schwede Sven Berglund, der polnische Ingenieur Józef Tykociński-Tykociner sowie die deutschen Toningenieure Hans Vogt, Joseph Massolle und Joseph Benedict Engl. Das Labor der drei Letzteren, die gemeinsam als „Tri-Ergon“ das Verfahren entwickelten, stand in der Babelsberger Straße in Berlin. Dass ein Tonfilm andere Herausforderungen an Schauspieler stellt, ist eine andere Geschichte.

 

Der Rechner für die Schultasche

In Zeiten des Smartphones mögen einem Format und Leistung des ersten Taschenrechners etwas mager vorkommen. Doch die integrierte Schaltung auf einem Halbleiter, die der junge Physiker Jack Kilby 1958 entwarf, gilt als die Basis für den Mikrochip. Sein Arbeitgeber Texas Instruments konnte damit lange nicht richtig etwas anfangen. Zusammen mit Kollegen entwarf Kilby deshalb den ersten Taschenrechner und stellte den „Cal Tech“ 1967 dem Direktor vor. Er soll das Format eines Wörterbuchs gehabt haben und ein Kilo schwer gewesen sein, doch er ließ sich mit Batterien betreiben.

Der Texas-Instruments-Chef erkannte das Potenzial zunächst nicht, ermöglichte aber die Serienfertigung bei einem japanischen Konzern. Erst 1972 ging Texas Instruments mit eigenen Taschenrechnern auf dem Markt. Heute erinnert sich vermutlich fast jedes Schulkind an „sein“ Modell. Und Kilby erhielt im Jahr 2000 gemeinsam mit zwei weiteren den Nobelpreis für Physik für die Entwicklung des Integrierten Schaltkreises.

Fast zeitgleich mit Jack Kilby kam übrigens der Physiker Robert Noyce auf eine ähnliche Idee. Es gab deshalb Rechts- und Patentstreitigkeiten. Später gründete er mit einem Partner die Firma Intel. Bei der Nobelpreisvergabe im Jahr 2000 wurde er nicht berücksichtigt, da er bereits 1990 verstorben war.

 

Wer braucht schon einen Computer zuhause?

Auch die ersten Computer waren bekanntlich viel größer, aber längst nicht so leistungsfähig wie heutige Exemplare, was ihren Einsatz stark beschränkte. „Ich denke, dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt“, soll Thomas Watson, Chef von IBM, noch 1943 gesagt haben, auch wenn das nicht schriftlich belegt ist. Und seine Ambition war sicher auch größer – zu Recht, wie die Geschichte zeigt. „Es gibt keinen Grund, warum irgendjemand einen Computer zuhause haben sollte“, wird Ken Olsen zitiert, Gründer von Digital Equipment, im Jahr 1977. Seine Mitarbeiter hatten allerdings schon Pläne dafür. Eine weitere prominente Fehleinschätzung kommt von Microsoft-CEO Steve Ballmer: Das iPhone werde sich nicht sonderlich verkaufen.

 

Der Dübel, der beste Freund des Heimwerkers

Doch es muss nicht immer Elektronik sein. Der Schwabe Artur Fischer erfand 1958 den Spreizdübel und ließ sich das Modell patentieren. Weil ihm keiner glaubte, soll er sogar ein Auto an die Wand geschraubt haben. Heute kann jeder nur minimal talentierte Hobbyhandwerker damit Bilder, Regale oder Lampen sicher an der Wand befestigen. Einen Nobelpreis gibt es für so etwas nicht, aber stetigen kommerziellen Erfolg. Fischer vermarktete seine Erfindungen in der eigenen Firma, und das kleine, billige Kunststoffteil machte ihn reich dank der verkauften Masse.

Woran auch immer Sie also arbeiten: Lassen Sie sich nicht entmutigen. Häufig gab es in der Geschichte der Innovation Fehlurteile und Falscheinschätzungen – später prominente Erfindungen hatten ihre Zweifler. Die Geschichte zeigt allerdings auch, dass oft ähnliche Ideen zur selben Zeit aufkamen. Die Anmeldung eines Patents war häufig ein wichtiger Schritt, um aus der Erfindung später auch einen finanziellen Nutzen ziehen zu können.