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Von der Erfindung zum Produkt: So finden Sie Investoren

Theoretisch ist Ihre Erfindung ausgereift. Sie haben sogar schon ein Patent dafür angemeldet. Fehlen Ihnen und Ihrem Team nun die finanziellen Mittel, um ein eigenes Unternehmen zu gründen? Vor diesem Problem stehen früher oder später fast alle Start-ups : Um mit einer Erfindung reich zu werden, braucht es in den meisten Fällen zunächst einmal Geld. Damit beginnt Ihre Investorensuche.

Die Suche nach einem Geldgeber verläuft meist nicht so spektakulär wie in der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“. Richtig ist allerdings: Ihr „Pitch“, die Präsentation Ihrer Idee, muss überzeugen. Wo finden Sie den richtigen Investor? Je nach Situation können dies Personen aus dem Umfeld, Banken, Business Angels, Wagniskapitalgesellschaften oder sogar eine Crowdfunding-Plattform sein.

 

Investorensuche bei „Family, Friends and Fools“

In Ihrem näheren Umfeld fragen Sie vermutlich als erstes. Diese Geldgebergruppe wird als „die drei F“ bezeichnet – „Family, Friends and Fools“. Familie und Freunde geben Ihnen einen Vertrauensvorschuss, kennen Ihr Vorhaben bereits und wollen Ihnen gerne helfen. Dort finden Sie Unterstützung für die ersten Tests oder Prototypen. Für größere Summen reicht es jedoch meist nicht.

Als Erfinder ein Unternehmen zu gründen, birgt außerdem ein Risiko. Möglicherweise kommen Sie in die Situation, dass Sie das Geld nicht so schnell zurückzahlen können, wie Sie es gerne würden und wie Ihr privater Investor es bräuchte. Dann kann dies die Beziehung belasten. Das Sprichwort „Bei Geld hört die Freundschaft auf“ ist nicht ohne Grund entstanden – denken Sie also vorher darüber nach, ob Sie und Ihr Investor oder Ihre Investoren damit umgehen können.

 

Gründerkredite von der Bank

Der nächste Weg auf der Investorensuche ist meist der zur Bank. Erfinder und Gründer ohne Eigenkapital finden dort aber in der Regel wenig Gehör für ihr Anliegen. Es gibt allerdings spezielle Kredite der KfW-Bank für jene, die ein Unternehmen gründen wollen. Beim Modell „Startgeld“ können Sie Investitionen bis 100 000 Euro ohne Eigenkapital finanzieren. Zwei weitere Modelle stellen höhere Ansprüche, es lassen sich darüber aber auch höhere Summen als Kredit aufnehmen.

 

Unterstützung finden bei Inkubator-Netzwerken

Kein Geld, aber eine hilfreiche Infrastruktur und gute Kontakte finden Sie bei sogenannten Inkubatoren. Meist sind dies von der Region bezuschusste Zentren, in denen Erfinder und Gründer flexibel und günstig Räume mieten und Serviceleistungen in Anspruch nehmen können. Darüber hinaus werden sie mit Know-how unterstützt. Start-ups, die sich im Rahmen solcher Netzwerke gründen, finden schneller nützliche Kontakte und Hilfen, auch bei der Investorensuche. Damit steigen die Erfolgschancen.

 

Crowdinvesting: Die Hilfe der Masse

Eine Methode der Investorensuche, die zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist das Crowdfunding. Sie präsentieren Ihren Pitch auf einer Plattform in Internet und finden so statt einem einzelnen Investor viele, die kleinere Beträge beisteuern. Manche Modelle funktionieren auf Spenden-, andere auf Darlehensbasis. Die für Unternehmen interessanteste Form ist die des Crowdinvesting, bei der die Beitragsgeber auch am Gewinn des Unternehmens beteiligt werden. Das Risiko für die einzelnen Investoren bleibt dabei übersichtlich. Dieses Modell ist besonders geeignet für Ideen, die auf Endverbraucher abzielen und sich gut medial darstellen lassen. Die vielen Investoren sind persönlich interessiert am Erfolg. So finden Sie in ihnen gleichzeitig Botschafter des Projektes.

 

Investoren finden: Anschubfinanzierung vom Business Angel

Möglicherweise finden Sie in einem Business Angel oder Angel Investor den richtigen Geldgeber. Dabei handelt es sich um eine wohlhabende Privatperson, die bereit ist, ihr privates Kapital in ein Start-up zu investieren, das sich noch in einer frühen Phase befindet. Entweder werden noch Zeit und Mittel für die Entwicklung der Erfindung benötigt (Pre-Seed) oder Sie wollen gerade mit Produktion und Vertrieb starten. Ein Business Angel unterstützt nicht nur finanziell, sondern berät auch. Das Start-up kommt so an Know-how und Kontakte, die sehr hilfreich sein können.

Diese Finanzierung erfolgt entweder als Darlehen oder als Beteiligung, meist geht es um Summen zwischen 50 000 und 200 000 Euro. Sie finden potenzielle Business Angels auf Listen und Internetplattformen. Bevor Sie sich direkt an jene wenden, die Ihnen am vielversprechendsten erscheinen, sollten Sie recherchieren, in welcher Branche diese tätig sind und was sie bisher unterstützt haben.

 

Investoren finden: Wagniskapitalgesellschaften

Potenzielle Investoren für größere Summen finden Sie in Wagniskapitalgesellschaften, auch Venture-Capital- oder VC-Gesellschaften genannt. Dort verwalten professionelle Manager Fonds, also das Geld fremder Leute, das sie vermehren sollen. VC-Gesellschaften beteiligen sich an jungen, noch nicht börsennotierten Unternehmen und beraten diese. Start-ups finden damit nicht nur Investoren, sondern außerdem fachkundige Unterstützung auf ihrem Weg. Solche Gesellschaften sichern sich allerdings auch Kontroll- und Mitspracherechte.

Das Geschäftsmodell von Wagniskapitalgesellschaften besteht darin, die Anteile mit Rendite zu verkaufen, wenn das Unternehmen es „geschafft“ hat – an das Unternehmen selbst, an andere Geldgeber oder an der Börse, falls inzwischen ein Börsengang stattgefunden hat. VC-Gesellschaften sind deshalb darauf angewiesen, vielversprechende Projekte für ihre Investitionen zu finden. Häufig werden Start-ups auch von Großen der Branche aufgekauft. Davon profitiert der Investor natürlich ebenfalls.

Hohe Rendite im Erfolgsfall müssen ausgleichen, dass es auch immer Gründungen gibt, die es nicht schaffen und die investierte Summe verloren ist. Eine Übersicht über geeignete VC-Gesellschaften finden Sie heute in Datenbanken und Onlineplattformen. Bei manchen können Sie sich auch als Start-up registrieren und damit Investoren auf sich aufmerksam machen.

 

Investoren überzeugen: der Pitch

Ob Bank, Business Angel oder VC: Warum sollten diese Leute gerade Ihnen Geld geben? Die Antwort auf diese Frage ist Ihr Pitch. Worum geht es bei Ihrer Geschäftsidee? Welches Problem löst Ihre Erfindung für die potenziellen Kunden? Warum sollten Menschen ausgerechnet Ihr Produkt kaufen? Welche Vermarktungsstrategie planen Sie? Und natürlich: Wie viel Geld benötigen Sie und was kann der Investor dafür erwarten? Im Pitch Deck, Ihren Präsentationsfolien, zeigen Sie die wichtigsten Informationen und Zahlen. Beschränken Sie sich dabei auf das Wichtigste. Sprechen Sie höchstens fünf Minuten, unter Umständen noch kürzer.

 

Argumente finden und testen

Wenn man zuerst lange an der Erfindung und dann lange an der Geschäftsidee gearbeitet hat, ist es möglicherweise schwer, sich so kurz zu fassen. Versetzen Sie sich deshalb in den Investor, der Sie nicht kennt, aber ständig Anfragen bekommt und wenig Zeit hat. Er wird davon ausgehen, dass Ihr Projekt nichts taugt, wenn der Nutzen nicht in Kürze zu vermitteln ist. Geben Sie sich also Mühe, die richtigen Worte zu finden, und testen Sie Ihren Pitch vorher gegenüber einer Person, von der Sie ein ehrliches Feedback erwarten können. Könnten Sie diese überzeugen? Würden Sie sich selbst das Geld geben? Auch Investoren sind Menschen – sie haben nur mehr Geld zur Verfügung.

 

Solide Basis: der Business-Plan

Damit Sie bei der Pitch-Vorbereitung überzeugende Zahlen zur Hand haben und auch auf Nachfragen antworten können, müssen Sie vorher Ihre Hausaufgaben gemacht haben. In einem Business-Plan tragen Sie alles zusammen, was Ihre Gründungsidee ausmacht – von der Marktanalyse zur Vermarktungsstrategie, von den Köpfen dahinter bis zum Kapitalbedarf und natürlich die erwarteten Einnahmen. Es lohnt sich, Zeit in die Erstellung eines Business Plans zu investieren und eventuell auch externe Hilfe dafür in Anspruch zu nehmen. Denn dieser Prozess ist auch eine Chance für Ihr Team, die gesamte Idee unter kaufmännischen Gesichtspunkten zu überprüfen und zu optimieren.

Bevor ein potenzieller Investor sich mit Ihrem umfangreichen Business-Plan beschäftigt, muss er das Vorhaben erst einmal interessant finden. Für die erste Übersicht halten Sie ein Executive Summary mit den wichtigsten Zahlen auf zwei bis vier Blättern bereit.

 

Erfolgreich gründen ist Teamarbeit

Der Weg von einer Erfindung zu einem Produkt, mit dem Sie ein Einkommen erzielen können, ist zunächst mühsam. Der Erfolg hängt von vielen Faktoren ab, von denen Sie nicht alle beeinflussen können. Wichtig ist, Mitstreiter oder Kooperationspartner zu finden, die Ihre Kompetenzen ergänzen. Ein guter Erfinder ist nicht automatisch auch ein guter Verkäufer. Mit einem Patent können Sie sicherstellen, dass zunächst nur Sie mit Ihrer Entwicklung auf dem Markt gehen. Und der richtige Investor hilft Ihrer Idee auf den Weg. Lassen Sie sich nicht von Unkenrufen entmutigen: Die Geschichte zeigt, dass viele Erfinder sich erst selbst von Fachleuten abwertende Urteile anhören mussten – und dann doch Erfolg hatten.