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Drei Wege zur Patentverwertung: Gründen, Lizenzieren, Verkaufen

Der Besitz eines Patents zieht nicht automatisch ein Einkommen nach sich, im Gegenteil: Der Schutz kostet jährlich Gebühren. Idealerweise haben Sie sich schon bei der Arbeit an Ihrer Erfindung Gedanken darüber gemacht, wie Sie sie verwerten wollen. Sie haben dazu drei Möglichkeiten: Sie nutzen das Patent selbst und vermarkten Ihre Erfindung im Rahmen eines eigenen Unternehmens, Sie stellen es anderen gegen eine Lizenzgebühr zur Verfügung oder Sie verkaufen es komplett.

 

Patentverwertung im eigenen Unternehmen

Die meisten planen vermutlich, es selbst zu verwerten und haben bei ihrer Erfindung bereits eine konkrete Nutzung vor Augen. Sie haben bereits eine Vorstellung davon, wie sie daraus ein marktreifes Produkt entwickeln wollen und wer ihr Kunde sein könnte. Sie gründen ein eigenes Unternehmen. Das Patent oder auch das Gebrauchsmuster gewährt ihnen dabei zunächst einen Schutz vor Nachahmern und ein zeitlich befristetes Monopol. Viele Erfinder sind diesen Weg erfolgreich gegangen. Aufwand und Kosten für die Entwicklung und die Patentanmeldung haben sich für sie gelohnt. Um aus einer Erfindung ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen zu aufzubauen, reicht technisches Fachwissen allein aber nicht aus. Sie brauchen auch Kompetenzen in Betriebswirtschaft, Vermarktung und Verkauf im Team. Sie müssen aber nicht alles in der eigenen Firma machen: Es lassen sich auch Teile der Produktion oder des Vertriebs an passende Kooperationspartner auslagern.

 

Gründe gegen die eigene Verwertung

Ob man sein Patent tatsächlich selbst als Unternehmer verwerten kann, hängt von vielen Faktoren ab. In manchen Fällen scheitert die Umsetzung in eigener Regie aus finanziellen Gründen. Das einzelne Patent reicht auch möglicherweise nicht aus, um daraus ein marktreifes Produkt zu entwickeln, das sich wirtschaftlich absetzen lässt. Und selbst ein gutes Produkt hat es schwer, wenn die Konkurrenz eine große Marktmacht besitzt und ein enormer Marketing-Aufwand nötig wäre, um es bekannt zu machen. Vielleicht sind die Erfinder auch gerade in einer Phase des Lebens, in der sie einfach nicht so viel Zeit aufbringen können, wie es notwendig wäre, wenn man ein Unternehmen gründen will. Und nicht jeder fühlt sich zum Unternehmer berufen.

 

Patent verkaufen oder Nutzung lizenzieren

Auch wenn Sie nicht selbst Unternehmer werden wollen, können Sie Ihr Patent verwerten – indem Sie eine Lizenz für die Nutzung oder die komplette Erfindung samt Patentschutz verkaufen. Damit sollten Sie allerdings nicht zu lange warten, denn die technische Entwicklung geht bekanntlich weiter. Hilfreich für den Verkauf ist, wenn Sie sich schon früh über die Anwendung Gedanken gemacht haben. Wenn der Nutzen selbst im Patent steht, fördert das auch seine Verwertbarkeit. Der Handel mit geistigem Eigentum ist allerdings deutlich komplizierter als der mit Sachwerten. Zum einen ist es viel schwerer, den passenden Kunden zu finden. Und die Festlegung eines angemessenen Preises gleicht einem Versuch, die Zukunft vorherzusagen: Welchen Nutzen hat der Käufer von Ihrer Erfindung und welchen Gewinn kann er damit erzielen? Ohne professionelle Hilfe ist es schwer, zu einer Einigung zu kommen, die auch Sie zufriedenstellt. Es hat sich gezeigt, dass es häufig einfacher ist mehr anzubieten, als lediglich ein einzelnes Patent zu verkaufen. Diese zusätzlichen Assets können "Know How",  brands - also Marken, weitere Patente, Kundenkontakte, Prototypen oder Ähnliches sein. Ein solches Gesamtpaket wird häufig also attraktiver wahrgenommen.

 

Patentverwertung: Kontakte knüpfen

Ob Sie nun eine eigene Umsetzung planen oder ob Sie daran denken, Ihr Patent zu verkaufen: Eine gute Adresse, um Kontakte zu knüpfen, ist die Erfindermesse iENA (internationale Fachmesse für Ideen, Erfindungen und Neuheiten) in Nürnberg oder die Erfindermesse in Genf. Auch die Fachmessen Ihrer Branche können hilfreich sein, um herauszufinden, wer an Ihrer Erfindung interessiert sein könnte. Es gibt inzwischen auch Online-Plattformen, auf denen man sein Patent oder Gebrauchsmuster zum Verkauf anbieten kann. Spezielle Patentmakler oder Patentverwerter bringen Erfinder und Interessenten zusammen, lassen sich diesen Dienst aber auch bezahlen. Welcher Weg für Sie zum Erfolg führt, hängt nicht zuletzt von Ihrer Erfindung ab. Ist sie einfach umzusetzen? Für wen löst sie ein Problem – für den Endanwender oder für einen Hersteller? Wie groß ist dieses Problem? Wer bietet ebenfalls Lösungen dafür an?

 

Die richtige Zielgruppe für das Patent finden

Erfinder, die auf das große Geld durch Verkauf oder Lizenzieren hoffen, müssen sich klar machen, dass Unternehmen keineswegs gerade auf sie gewartet haben. Zwar hat der Handel mit geistigem Eigentum – Patente, Gebrauchsmuster oder Marken – stark zugenommen. Große Firmen erfinden aber am liebsten selbst und sind selten interessiert daran, etwas anzukaufen. Stattdessen verwerten große Firmen zunehmend selbst Patente aus ihrem Portfolio. Denn die Erfindung, die ein Angestellter während seiner Arbeitszeit macht, „gehört“ dem Unternehmen. Dem Erfinder steht aber eine Vergütung zu, und er wird im Dokument auch benannt. Mittelständische Unternehmen nutzen oft Patentmakler, um ihre Erfindungen zusätzlich zu Geld zu machen. Hat Ihre Erfindung Potenzial, sollten Sie sich vom Aufwand nicht abschrecken lassen. Es gilt aber, den aufzutreiben, der einen Nutzen von Ihrer Erfindung haben könnte. Das kann ein mutiger Gründer sein, dem nur die richtige Idee fehlte, oder ein Unternehmen, für das Ihre Erfindung eine Verbesserung oder Ergänzung seines Sortiments bedeutet.

 

Lizenz vergeben

So funktioniert der Vergabe einer Lizenz: Sie gestatten einem Interessenten, Ihre patentierte Erfindung zu nutzen, um damit ein Produkt herzustellen und zu vermarkten. Dafür können Sie entweder einen Preis pro Stück oder eine prozentuale Beteiligung am Umsatz oder Gewinn verlangen. Damit sichern Sie sich ein Einkommen, solange ein Unternehmen Ihre Erfindung nutzt und der Patentschutz besteht. Damit eine Firma an einer Lizenz interessiert ist, müssen Sie diese von den Vorteilen überzeugen. Das setzt eine gute Vorbereitung voraus, ähnlich dem Pitch, mit dem ein Gründer versucht, Banken und Investoren zu überzeugen. Schaffen Sie es, ein Unternehmen für Ihre Erfindung zu interessieren, gilt es, in der Verhandlung einen angemessenen Preis auszuhandeln. Dafür ist es hilfreich, vergleichbare Beispiele aus der Branche an der Hand zu haben. Daten dazu finden sich beispielsweise in Urteilen zu Arbeitnehmererfindungen. Für die Verhandlungen sollten Sie auch die Hilfe eines erfahrenen Anwalts in Anspruch nehmen, um später nicht unangenehm von Details der Vereinbarung überrascht zu werden.

 

Patent verkaufen

Möglicherweise möchte das Unternehmen Ihr Patent auch gleich kaufen. Bei einem Verkauf des Patentes müssen Sie nicht mehr für die Gebühren aufkommen, die der Schutz Sie über die 20 Jahre kostet. Sie geben damit aber auch das Recht daran endgültig aus der Hand. Welchen Preis Sie dafür verlangen können, hängt stark davon ab, welche Vorteile das interessierte Unternehmen davon hat und in welchen Ländern Ihr Patent gilt. Lösen Sie ein wirklich großes Problem für die Firma, sind Ihre Chancen auf einen guten Preis deutlich besser als bei einer Erfindung mit unsicheren Vermarktungsaussichten. Das Zeitfenster für eine Patentverwertung durch Verkauf oder Lizenzierung ist allerdings begrenzt, da sich der Stand der Technik schnell weiterentwickelt. Es gilt also, eine Erfindung zu versilbern, bevor sie zum alten Eisen gehört.

 

Fazit: Frühzeitig an die Verwertung denken

Mit gutem Grund verlangt das Patentamt einen gewerblichen Nutzen für die angemeldete Erfindung. Erfinder sollten dies von vornherein beherzigen. Wer bereits bei der Entwicklung an die spätere Verwertung denkt, hat größere Chancen, den Arbeitsaufwand und die Kosten für die Patentanmeldung zu refinanzieren. Das gilt sowohl für die Verwertung in einem eigenen Unternehmen als auch für die Vergabe einer Lizenz oder den Verkauf des Patents.

Checkliste Patentverwertung:

  1. Spätere Verwertung bei der Entwicklung bedenken und in der Patentanmeldung festhalten
  2. Chancen der Verwertung in einem eigenen Unternehmen prüfen: Finanzielle Mittel, Kompetenzen im Team, Aussichten auf Wirtschaftlichkeit, persönliche Situation
  3. Verwertung durch Verkauf oder Lizenzierung: Zielgruppe identifizieren, Vorteile für diese herausarbeiten, nicht zu lange warten und nicht ohne Fachanwalt in die Verhandlungen gehen